VICINO ALLA MONTAGNA | Statement des Regisseurs



Eine Symbiophonie... Zwei Symbiophonien... Zählt immer noch...



Musik, Natur & Menschheit – gibt es noch mehr im Leben?


Von Flint Juventino Beppe


VICINO ALLA MONTAGNA ist die zweite Produktion des geschützten Genres Symbiophonies. Es handelt sich um einen Spielfilm, der die Natur, die Musik und die Menschheit in den Mittelpunkt stellt.

Der zentrale Konflikt: Was passiert, wenn die Menschheit Schwierigkeiten hat, die Eindrücke zu aufzunehmen, die der vereinten Kraft von Natur und Musik innewohnen?

Eines der Hauptprinzipien einer Symbiophony ist es, die innere Natur der Musik dem visuellen Aspekt gleichzustellen, und auch, dass diese Einheit einen Großteil der Handlung anregt. Daher müssen mit Bezug auf die Partitur einige ästhetische Alternativen gefunden werden. Hierbei handelt es sich nicht um die typischen Entscheidungen im konventionellen Film. Eine Symbiophony ist eher wie eine Kunstausstellung, in der die Eindrücke auf verschiedenen Ebenen entstehen. Im Gegensatz zu einem Musikvideo sind die Bilder genauestens abgestimmt auf die ästhetischen Intentionen und nicht auf Rhythmus oder Klang der Musik. Dies ist nicht verfilmte Musik. Dies ist vertonter Film.

Die beiden jungen Frauen, die die Menschheit in Vicino alla Montagna repräsentieren, sind anscheinend ohne Willenskraft. Sie sind auf gewisse Weise ferngesteuert von dieser immensen Einheit von Musik und Natur, wie Puppen, die von einem Puppenspieler gesteuert werden. Dies führt zu "leeren Blicken" und weitgehend gezwungenem Verhalten.

Das wichtige Prinzip einer Symbiophony ist, dass von Anfang an Ästhetizismus und Symbolismus in der Musik schwerer wiegen als das Episch-Visuelle. Dies geschieht, um ein «drittes Auge» zusätzlich zu dem, was wir eigentlich sehen und hören, zu schaffen; fast wie wenn man zu einer Kunstausstellung geht und sich dort dem Kunstwerk durch eine philosophische Herangehensweise nähert. Oft ist die Handlung des Films nur ein subjektiver Vorschlag — ein Weg von vielen, die zu dem gleichen Verständnis führen — dem, das schließlich im Kopf des jeweiligen Publikums kreiert wird. Dies ist, was ich mit dem «dritten Auge» meine, das zwischen die unsichtbaren Linien von Stimmungen schauen kann.

In einer Symbiophony wird die Musik stets zuerst komponiert und soll nichts anderes sein als Musik an sich — das ist das genaue Gegenteil der "Rezeptur" von vielen anderen Filmen, in denen Musik und andere Geräusche benutzt werden, um eine visuelle Handlung zu unterstreichen. Das Drehbuch und das Storyboard werden aus der Essenz der Musik heraus kreiert. Jeder am Set, der unvermeidlich seine «künstlerische Spur» am Film hinterlässt, wie die Kameraleute, die Hubschrauberpiloten, der Aufnahmemanager und die Schauspieler müssen in die Musik eintauchen und in der Regel wird die Musik während des eigentlichen Filmens am Set gespielt. Dies ist wichtig für das Tempo und die Stimmung des Films. Das Storyboard wird sehr detailliert umgesetzt und alle Bewegungen der Schauspieler sind genau festgeschrieben. Der Hubschrauberpilot wird instruiert, die Maschine in vogelartigen Bewegungen oder wie der Wind zu bewegen, stets in Beziehung zur Musik.

Es gibt drei «Universen» in VICINO ALLA MONTAGNA:

1. «Realität» aus menschlicher Sicht.
2. «Die Sprache der Natur» – eine Lektion der Natur, die größtenteils in schwarz-weiß erscheint.
3. «Traumvisionen» der Menschen.

Ein gravierender Unterschied zwischen Musikvideos und Symbiophonies ist es, dass ich eine «Welt in einer Welt» abbilden möchte – eine, die nicht der «konventionellen, dynamischen Herrlichkeit» folgt, zum Beispiel dadurch, einen Takt immer in Bezug zur Musik zu bearbeiten. Die Musik könnte genauso gut bearbeitet werden, um sie einem nicht-rhythmischen Muster auf einem Baumstamm anzupassen. Für einen kleinen Käfer, der Mühe hat, ein Blättchen zu erklimmen, ist die Welt vielleicht so dramatisch, wie die Musik sich anhört. Bilder und Musik müssen zu dem Inhalt in einem Bilderrahmen passen — und nicht unbedingt den Konventionen entsprechen, die Menschen im Allgemeinen erwarten. Daher wage ich es oft, das Bild verharren zu lassen, auch wenn sich der Charakter der Musik verändert.

Ich befasse mich damit, die großen Dimensionen zu sehen in dem, was klein erscheint. Ein riesiger Berg  ist nicht immer synonym mit heftiger Musik. Mir erscheint es am besten, Fragen offen zu lassen — ohne, dass eine Antwort nötig ist. Der Intellekt erweist sich vielleicht eh als unzureichend. Anders formuliert möchte ich das Publikum mit mir auf eine Abstraktionsebene nehmen, die tiefer ist als das, was mit bloßem Auge zu erkennen ist. Daher ist ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit nötig, um all die kleinen Details aufzunehmen.

Wie bereits erwähnt, halte ich es für die nützlichste Herangehensweise, Vicino alla Montagna zu betrachten, wie man eine Kunstausstellung besucht. Die, die eine «gewöhnliche» epische Handlung in dem Film erwarten, werden schnell auf die Welt des Surrealismus treffen. Mit anderen Worten: Ich habe keine Antwort – also handle ich.

Diese Video-on-Demand-Veröffentlichung ist meinem lieben Freund Tomas Evjen (1972 - 2012) gewidmet, der der Kameramann bei diesem Film war. Ein großer persönlicher und professioneller Verlust.
 


Um mehr über den Film zu erfahren, schauen sie bitte das Behind the scenes (kostenloses Bonusmaterial) auf der Video-on-Demand-Seite.


 

Eine Auswahl der Storyboardzeichnungen. Jede Szene wurde vor dem Filmen detailgenau geplant.


«Menschheit ist auf gewisse Weise ferngesteuert von dieser immensen Einheit von Musik und Natur, wie Puppen, die von einem Puppenspieler gesteuert werden. Dies führt zu "leeren Blicken" und weitgehend gezwungenem Verhalten.»



















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